11. Dezember 2017
 
23.12.2016 09:15

Monika Schrickel stellt im Historischen Rathaus aus. Ihre Ausstellung nennt sie „JINIY SVET - andere welt - hommage an horst"

Kunst im Rathaus – unter diesem Motto finden seit über 20  Jahren regelmäßig Ausstellungen bildender Künstlerinnen und Künstler im Foyer und ersten Etage  des Historischen Rathauses statt, die einen unmittelbaren Bezug zur regionalen Kunstszene des Saarlandes aufzeigen. Monika Schrickel, die von Anfang an dabei ist, begleitet die Ausstellungen als Kuratorin. Heute, am 16.12.2016, ist sie als Künstlerin im Rathaus mit einer eigenen Ausstellung dabei.  Die Ausstellung zeigt somit innovative und ausdrucksstarke Werke der Künstlerin Schrickel, die mit neu erfundenen Schriften und Formen die universelle Lesbarkeit von Kunst vor Augen führt. So sind die Bilder von Monika Schrickel ein spannender Kontrast zu den alten Mauern und dem hölzernen Gebälk des Historischen Rathauses.

Monika Schrickel, die 1940 im sächsischen Bautzen geboren wurde, lebt seit 1961 im Saarland. Sie hat die saarländische Kunstszene entscheidend mitgeprägt. Als Künstlerin mit einem umfangreichen, vielseitigen Werk, das sie in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zeigte. Aber auch als Mitbegründerin der Künstlerinnengruppe Saar (1985), als Vorstandsmitglied im Saarländischen Künstlerhaus (1986–2005) und bis heute als Vorsitzende des Bundesverbandes Bildender Künstler im Saarland.

 „JINIY  SVET -  andere welt - hommage an horst" lautet der Titel der Ausstellung, die aktuell im Historischen Rathaus zu sehen ist. Die Künstlerin will mit dieser Ausstellung an ihren vor drei (30.06.2013) Jahren verstorbenen Mann Horst erinnern, der sie fast zu jeder Kunstausstellungseröffnung nach Kleinblittersdorf begleitete. Diesen Schicksalschlag in ihr Leben zu integrieren, war sehr schwer. „Ich habe meinen Mann mit 17 Jahren kennen gelernt und wir haben ein ganzen Leben miteinander verbracht“, erzählt sie. Ihre bis dahin fast nur in schwarz weiß gehaltenen Bilder begann sie nach dieser Grenzerfahrung farbig zu gestalten, in dem sie zuließ, dass ihre Gefühle in ihre Arbeiten mit einfließen. Als Reaktion auf den Tod ihres Mannes funktionierte ab diesem Zeitpunkt das Malen bei ihr stark intuitiv, im krassen Gegensatz zu ihren früheren Zeichnungen, die eher der Kalligraphie zuzuordnen waren. Die Arbeiten haben sich ihr regelrecht aufgezwungen. Daraus resultiert ihre jetzige kreative künstlerische Auseinandersetzung. Nicht sie malt, es malt in ihr und aus ihr heraus. Sie trennt, schneidet ihre Bilder auseinander und setzt sie dann wieder zusammen. Etwas Kaputtes wird wieder ein Ganzes, Fragmente werden harmonisch zusammengesetzt und schaffen damit etwas Neues.

"Meine Bilder, die ich heute ausstelle, sind für mich in dieser Phase des Lebens eine Bestandsaufnahme", sagt sie. „Sie geben mir die Hoffnung, dass man Schweres bewältigen, aus Fragmenten wieder etwas Harmonisches schaffen kann. Die Wunden, die man beim Verlust eines geliebten Menschen davonträgt, bleiben bis ans Lebensende bestehen. Der Prozess des Malens weist ihr den Weg aus der passiven schmerzhaften Trauer und führt sie zu einer liebevollen und lebendigen Erinnerung. „Alles hat seine Zeit“ ist es auch auf einem der Gemälde zu lesen. Ein Zitat aus dem Buch Salomo, das weiter heißt: Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit…“. «Schriftkunst ist wie der Genuss von gutem Wein, sie kann alle Sorgen vertreiben» meinte der berühmte Gelehrtenkünstler und hochrangige Politiker Su Shi im 11. Jahrhundert. Noch tausend Jahre später bezeichnet der namhafte chinesische Konzeptkünstler Xu Bing die Schriftkunst als Kern der traditionellen chinesischen Kultur: «Sie lässt uns verstehen, woher wir kommen, wer und warum wir sind.».

Faszinierend ist wie die in Bautzen geborene Künstlerin Monika Schrickel in ihren Arbeiten Figuren und Schriftzeichen miteinander verbindet. Sie ist neugierig, guckt was passiert und geht auf Entdeckungsreise. Und so dominierten in der einen Arbeit schön geschwungene Buchstaben – oder auch nur tausende von mediativen  Strichen, die Burgruinen und Bäumen ähneln, oder manchmal einem Barcode, hinter dem auch oftmals eine Botschaft steckt. Doch immer scheinen Zeichen und Figuren eine Art Symbiose einzugehen. „Alle Arbeiten bergen ihr eigenes Geheimnis, in ihrer Zartheit von Papier und Farbe, das es zu entdecken gilt", wie es Bürgermeister Stephan Strichertz in seiner Begrüßungsansprache zur Eröffnung der Vernissage trefflich formulierte.

Dabei geht es der BBK-Vorsitzenden Monika Schrickel nicht um Inhalte, sondern um die ästhetische Erscheinung unterschiedlicher, oft imaginärer Schriftzeichen, die sie gekonnt individuell und auf poetische Weise in Szene setzt. Und das auf zartem feinem Material des Japanpapieres, das durch seine textile seidige Haptik den Betrachter schon verzaubert.

In fast meditativer Weise sind unzählige kleinen farbige Striche auf seidenfeine Japanpapiere gearbeitet und belegen, wie treu sich Monika Schrickel in ihrer Kunst bleibt: selbst bei geändertem Inhalt bleibt die künstlerische Handschrift stets der Ästhetik und einer schwingenden Leichtigkeit verbunden. 

Und so lässt die Künstlerin in ihren Bildern eine geheimnisvoll erscheinende Traumwelt lebendig werden. „Philosophie spielte in ihren früheren Werken eine große Rolle. Doch jetzt ist die Künstlerin variantenreicher geworden, in Farbe und Form. Eigentlich ganz untypisch für sie“, so Kunsthistorikerin Dr. Brigitte Quack, die in die Ausstellung einführte. Die Malerin Monika Schrickel eröffne dem Betrachter Zugang zur immensen Vielfalt der Schriftzeichen in fantastischen Variationen.

In eine andere Welt führte die Gäste auch die musikalische Umrahmung der Vernissage. Präsentierte das Streichensemble Violina der Musikschule Obere Saar mit ihren musikalischen Einlagen von Bach, Tschaikowski bis hin zu Beethovens Lied „An die Freude“ doch eine gelungene Ergänzung zu den ausgestellten Werken, die eine tiefe, innige Verbindung zu den ausgestellten Werken in sich trägt.

„Die Vernissagen haben einen hohen Stellenwert im kulturellen Leben der Gemeinde, aber auch die musikalische Umrahmung unserer Musikschule gehört inzwischen dazu. Wir sind glücklich, der Musikschule Obere Saar wie auch den bildenden Künstlern eine Plattform für ihre hervorragenden Werke geben zu können“, betonte Strichertz.   

Öffnungszeiten der Ausstellung

Ausstellungsdauer: vom 14. Dezember 2016 bis 17. Februar 2017

Montag – Freitag 8.30 bis 15.30 Uhr (letzter Freitag im Monat bis 12 Uhr