17. November 2019
 

Eine ganz besondere Reise nach Sucé-sur-Erdre

In der Zeit vom 20. bis zum 28. August 1988 starteten fünf Radsportler des RV Edelweiß Bliesransbach 1905 - Werner Immler, Gerd Becker, Johannes Hoor, Joachim Quack und Josef Scheller zu ihrer wohl weitesten Radtour. Ziel war unsere französische Partnerstadt Sucé-sur-Erdre im Departement Loire-Atlantique, die bis dahin alle Reiseteilnehmer nur vom Erzählen her kannten. Nachdem Verbindung zum französischen Cyclo Club und dessen damaligem Vorsitzenden M. Jilles Jarnoux aufgenommen worden war, eine Einladung seitens des Fahrradclubs trotz des Urlaubsmonats August ausgesprochen wurde, ging man an die Vorbereitungen - Hotels buchen - Strecke auswählen - eine zeitraubende, aber auch interessante Arbeit. Alle Teilnehmer waren sich der Schwere der Strecke bewusst. Man war zwar schon 150 km an einem Tag gefahren - aber 6 Tage hintereinander eine solche Strapaze - wie würde jeder einzelne das verkraften? Wie würde das Sitzleder auf den ungewohnt langen Aufenthalt auf dem Fahrradsattel reagieren?


Der 1. Tag

Am Tag der Abfahrt trafen sich sämtliche Mitglieder des RV-Edelweiß, um die 5 Radsportler noch mehrere Stunden auf ihrer ersten Etappe zu begleiten. Schnell war der Zeitpunkt der Trennung in Folpersviller gekommen und die Gruppe war von nun an auf sich alleine gestellt. Mit dabei war ein Begleitfahrzeug, das das Gepäck, Ersatzteile für die Fahrräder und natürlich die Tagesverpflegung mitführte.

Die Fahrt ging über Sarreguemines - St. Avold - Pont-à-Mousson nach Commercy, wo man nach 5,5 Stunden reiner Fahrtzeit, 140 Kilometern und einem Schnitt von 25,3 Kilometern je Stunde in einem urigen Bahnhofshotel den starken Gegenwind und das sehr hüglige Gelände gedanklich schnell hinter sich gelassen hatte. Selbst die Fahrräder konnten mit auf die Zimmer, denn wer lässt schon so einen engen Weggefährten im Freien stehen?


Der 2. Tag

Morgenstund hat Gold im Mund, das war auch unsere Devise. Schon um 8.15 Uhr saßen wir - wieder bei sehr starkem Gegenwind - auf unseren Stahlrössern, um die vor uns liegenden 154 Kilometer bis nach Troyes in der Champagne zu bewältigen.

Trotz einiger Schwächen wollte sich keiner die Blöße geben, auch nur kurzfristig im Auto zu verschnaufen, alle Fahrer kamen zwar müde aber glücklich in Troyes an.


Der 3. Tag

sollte trotz der angestrebten 170 Kilometer leichter werden. Kaum noch Gegenwind, die Landschaft meist eben, rollten wir über Sens, Montargis nach Gien an der Loire. Mittlerweile war das Team zusammengewachsen, die Stärkeren machten die Führungsarbeit.

Zum größten Problem wurde das lange Sitzen auf den harten Sätteln. Aber es gab nun kein Zurück mehr.

 

Der 4. Tag


Dieser Tag sollte unser Erholungstag mit nur 120 Kilometern werden. Länger schlafen, erst um 9.00 Uhr abfahren, ein toller Tag entlang der Loire, das wohl schönste Schloss der Loire - Chambord - besichtigt - 50 km weniger als am Vortag - es war ein entspanntes lockeres Radfahren.

Mit Blois wurde auch in einer Stadt übernachtet, deren Vielzahl an Sehenswürdigkeiten wir in der uns zur Verfügung stehenden Zeit leider nicht nutzen konnten.

 


Der 5. Tag

Eine Flachetappe führte die Loire entlang, von Blois an den Schlössern von Amboise und Tours vorbei bis nach Saumur. Ein schwieriger Tag trotzdem für die 5 Radsportler, denn das Verpflegungsfahrzeug verlor die Radfahrer - von Handys sprach in dieser Zeit noch niemand.

Man teilte das wenige Bargeld, das man dabei hatte um etwas gegen den größten Hunger zu kaufen - jeder weiß wohl, dass Radfahren mit hungrigem Magen fast unmöglich ist. Die vom Fahrer des Fahrzeuges als Strafe fällige Runde ließ den Frust des Hungers jedoch bald vergessen.


Der 6. Tag - Die Ankunft

Aufbruch in Saumur - schon beim Aufwachen erwarteten uns unsere nachgereisten Radsportfreunde aus Bliesransbach (Dieter Wolf, Willi Kettenbaum, Emil Lang, Jakob Vogelgesang und Edgar Lang), da sie die letzte Etappe von 145 Kilometern bis nach Sucé-sur-Erdre gemeinsam mit uns fahren wollten, um dann die beiden verbleibenden Tage in Sucé mit uns zu verbringen.

Etwa 15 Km vor Sucé-sur-Erdre erwarteten uns schon unsere französischen Gastgeber in großer Zahl - alle mit dem Velo - um uns die letzten Kilometer nach Sucé-sur-Erdre zu geleiten. Ein festlicher Empfang am Quai de Bliesransbach, bei dem M. Chevreuil, der damalige Präsident des Jumelage - Komitees von Sucé-sur-Erdre uns zu dieser Leistung beglückwünschte.

Die Dankesrede des Organisators und Schreibers dieser Zeilen endete mit einer Freudschen Fehlleistung. Er bedankte sich für die freundliche Aufnahme in Sucé in der Sprache der Gastgeber und wünschte "alle Sucéennes näher kennenzulernen". Sucéennes bedeutet aber nur den weiblichen Teil der Bevölkerung unserer Partnerstadt. Dieser Übersetzungsfehler führte zu lautem Gelächter der französichen Gastgeber, auch die örtliche Presse berichtete von diesem - nun ja - alles in allem lustigen Versprecher.

Ein toller Aufenthalt an der Erdre beschloss eine Superwoche, die wohl allen Teilnehmern stets in Erinnerung bleiben wird.